Bericht über die Gesprächsrunde: Profite mit der Obdachlosigkeit- ein lukratives Geschäftsfeld

Unsere Gesprächsrunde begann pünktlich vor ca. 40 Teilnehmer*Innen. Nachdem die drei eingeladenen Expertinnen und Experten sehr kurz ihre Haltung zu den Problemen dargestellt hatten, kamen wir zur Diskussione und Beratung. Diese war schon deswegen sehr ungewöhnlich, weil viele Leute anwesend waren, die aktuelle oder vergangene eigene Erfahrungen mit Obdachlosigkeit gemacht hatten.

Im Folgenden werden wir die nur die Probleme und Fragestellungen benennen, ohne auf den Verlauf des Gesprächs einzugehen:

Ohne eine Wohnungslosenstatistik ist keine bedarfsgerechte und präventive Maßnahmenplanung möglich. 2013 lehnte das Land Berlin die Erhebung einer Statistik ab.
Wir benötigen Daten zur Wohndauer in den Übergangseinrichtungen, zu adäquaten Hilfemaßnahmen, zu Problemlagen…..

Da über 60 % der Einrichtungen gewerblich und „unbetreut“ sind, ist ihre regelmäßige Kontrolle, nicht nur technischer Art, sicherzustellen.

Gerade für die Zielgruppen z.B. „Wohnungslose mit Behinderungen“, „Familien“, „Chronisch Kranke“ gibt es kaum Angebote auf dem Markt.

Prävention von Wohnungsverlusten muss höchste Priorität haben. Selbst in Frankfurt/M., das ja gewiss nicht als „fortschrittlich“ gilt, ist man weiter als in Berlin:

Frankfurter Rundschau: >Weniger Zwangsräumungen<

Einrichtungen für spezifische Zielgruppen z.B. wohnungslose Frauen, wohnungslose Alleinerziehende, Paare mit minderjährigen Kindern, pflegebedürftige wohnunglsose Menschen, müssen in ausreichender Zahl geschaffen werden.

Alleinstehende Wohnungslose sollen in Einzelzimmern untergebracht werden, wenn sie das selbst wünschen.

Obdachlosenunterkünfte müssen durch menschenwürdigen Wohnraum ersetzt werde, der. über die ganze Stadt verteilt ist. Für die Übergangszeit Qualitätsstandards in den Unterkünften erneuern und an menschenwürdiges Wohnen anpassen!
Diese Standards müssen gemeinsam mit Betroffeneninis z.B. festgelegt werden.

Beispiele wie die aus Reinickendorf:

Eine Familie wird in einer Ferienwohung untergebracht. Tagessatz liegt bei 200 Euro, errechnet aus dem Pro-Kopf-Tagessatz einer 5 köpfigen Familie. Der Vertrag läuft 6 Monate. Das Amt zahlt entsprechend pro Monat 6000 Euro.

Warum kann die Familie nicht in eine Wohnung auf dem „freien“ Wohnungsmarkt? Mit dem Betrag könnten mehrere Familien ihre Mehrmiete bezahlen, ohne dass ihnen eine Zwangsräumung droht.
Antwort: Unterschiedliche Behörden sind zuständig. Bei Wohnungslosigkeit das Sozialamt, nicht das Jobcenter. Zuviel Bürokratie!

Sozialen kommunalen Wohnungsbau (ohne Banken) stärken und Mietobergrenzen festlegen.

Wohnungslosenarbeit ist Netzwerkarbeit!

Vernetzung von Betroffeneninis mit Initiativen im Bereich der Sozialen Arbeit – AK Wohungsnot und Landesarmutskonferenz etc. Öffnung zu Betroffenen, hin zur Basis, Austausch!

Konferenz mit verschiedenen Beteiligten – von Betroffenen bis hin zu sozialen Einrichtungen, Hilfestellen und zur Verwaltung und Politik.

Es soll eine Armutskonferenz geben. Ggf. könnte es hier eine Einbindung von Basisgruppen geben.

AK Wohnungsnot Susanne Gerull schlägt vor, zum Arbeitskreis auch Betroffene oder deren Initiativen einzuladen.

Leider wurde die Kältehilfe nicht angesprochen. Jährlich sterben mehrere Menschen durch Erfrierung oder im Laufe des Jahres durch Krankheiten, die nicht behandelt wurden. Auch an diese Menschen, die in der Anonymität der Meldungen verschwinden, müssen wir uns erinnern – wie im Fall Rosemarie.

Die Kältehilfe in Berlin befürchtet eine dramatische Situation;

Berliner Morgenpost: >Kältehilfe fürchtet „dramatische Situationen“ in Berlin<

WICHTIG: Neben einer längerfristigen Lösung wie dem Ausbau des Sozialen Wohungsbaus sind kurzfristige Lösungen zur Prävention von Wohnungslosigkeit und zur Schaffung von menschenwürdigen Wohnstandards in den Unterkünften notwendig. Hierzu zählen unabhängige Beschwerdestellen, die die Rechte der Betroffenen stärken, die Übernahme von Mietschulden ( per Gesetz bereits jetzt möglich), die Übernahme von Mieterhöhungen durch das Jobcenter – in diesem Fall eine Kooperation mit dem Sozialamt, Ausbau von Stellen in den Bezirksämtern zur Prüfung der Unterkünfte – in Zusammenarbeit mit Betroffeneninitiativen

Zudem sollte das Thema in den Mietkämpfen stärker eingebunden werden, Demos und Aktionen vor den gewerblichen Unterkünften werden angeregt.

Stärkung der positiven Beispiele: Unterkünfte wie die in der Gitschiner Straße – Heilig Kreuz Kirche.

Das war gewiss nicht unsere letzte Veranstaltung zu diesem Thema. Wir arbeiten weiter daran.

bahar & detlev

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